Lärmschädigung

Möglicher Verlauf der Hörkurve:

Hier sehen Sie rechts einen Verlauf der Hörkurve im Tonaudiogramm. Ein ähnliches Muster des Verlaufs ist bei vielen anderen Betroffenen erkennbar.

Beschreibung:

Eine Lärmschädigung tritt im Innenohr (Hörschnecke) auf. Meist ist die Schädigung beidseitig, kann aber bei einem Knalltrauma (Explosion, Schusswaffen) auch einseitig ausfallen. Patienten klagen über den bereits beschriebenen Verlust der Klarheit in der Sprache. Der Abfall der Hörkurve im Tonaudiogramm ist meist recht steil, weshalb man bei Lärmschäden oft von einem "Hochtonsteilabfall" spricht. Dies bedeutet, dass z.B. der Messwert eines mittleren Tons ganz normal ist (z.B. 2kHz), der nächste Messpunk (z.B. 3kHz) dann jedoch sehr stark abfällt. So verläuft die Grenze zwischen gutem Hören und sehr schlechtem Hören oft recht krass. Personen mit Lärmschäden können Piepstöne oder Vogelgezwitscher meist gar nicht mehr wahrnehmen und verstehen insbesondere bei Hintergrundgeräuschen kaum noch etwas.

Ursachen:

Wissenschaftler haben durch mikroskopische Aufnahmen der „Hörschnecke“ erkannt, warum dieses Phänomen auftritt. Durch Lärm werden insbesondere die Haarzellen am Eingang der Schnecke zerstört, die dort die hohen Töne wahrnehmen. Die Folge ist somit auch ein Verlust des Hörvermögens bei den hohen Tönen. Dieser Hochtonhörverlust bewirkt, dass gesprochene Sprache undeutlich und dumpf klingt und Konsonanten wie s, f, t, k, p, h und g nicht mehr eindeutig verstanden bzw. häufig verwechselt werden. Tiefere Regionen in der Hörschnecke sind meist gut geschützt und sind von Schädigungen weniger betroffen. Daher hören Betroffene tiefe Töne meist gut, hohe Töne aber recht schlecht oder gar nicht mehr. Zu den Risikoberufen gehören: Lehrer; Zahnärzte; Piloten; Arbeiter der Metall-, Textil-, Holz-, Druck-, Bau- und Getränkeindustrie; Funker; Jäger; Soldaten; Musiker; Tontechniker; DJs  uvm.

Behandlung:

Lärmschäden können weder durch Medikamente noch durch Operationen behoben werden. Seit 2003 kann man Lärmschäden mit speziellen Hörsystemen recht gut ausgleichen (offene Anpassung, Hörsysteme mit Flex-Vent). Es wird zu einem sehr frühen Einsatz von Hörsystemen geraten, da die Gefahr der Entwöhnung besteht. Hörsysteme sollten nur im Hochtonbereich verstärken können, Rückkopplungen unterdrücken und Nebengeräusche ausfiltern können. Daher ist der Einsatz von hochwertiger Hörtechnik bei Lärmschäden meist empfehlenswert. Da man Lärmschäden erst etwa 15 bis 20 Jahre nach der eigentlichen Lärmbelastung bemerkt, wird hier nochmals auf die Wichtigkeit von Gehörschutz hingewiesen. Dieser kann von einem Hörakustiker auch individuell angepasst werden.